WAC, T.O.M. und … EVEREST (2)
Dopplungen und Irritationen beabsichtigt?
Manche Abkürzungen im Verhandlungskontext stammen aus verschiedenen Disziplinen, wie Management, Psychologie, Didaktik oder Qualitätswesen, und wurden später auf Verhandlungen übertragen. Dadurch entstehen Überschneidungen und manchmal auch leicht widersprüchliche Begrifflichkeiten. Einige der Abkürzungen lösen Assoziationen mit ganz anderen Bereichen aus und sollen dadurch das Erinnern erleichtern. Auch hier gilt, dass die Kürzel einerseits Zeit sparen können, weil sie gemeinsame Referenzpunkte schaffen, dass sie andererseits aber Risiken beinhalten, wenn nicht alle dasselbe darunter verstehen. Schauen wir uns weitere typische Formeln und Modelle an, um intern im Team und extern am Verhandlungstisch Klarheit und Verständlichkeit zu fördern.
EVEREST – Einstieg, Verhandlungsziele, Evaluation, Rhetorik, Emotion, Strategie, Taktik –
Mit der EVEREST-Methode® zur professionellen Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung jeder denkbaren Verhandlung können Sie souverän auch die letzte Facette einer Verhandlung erkennen, um sie in Ihrem Sinne steuern zu können. → Zur Vorbereitung, zum Nachlesen und für Ihren Verhandlungsalltag erhalten Sie die EVEREST-Methode® auch als Buch.
IKEA – Interesse wecken, Kernbotschaft formulieren, Erklärung geben, Aktion anstoßen –
Wenn Sie in einer Verhandlung eine klare, stringente Argumentationslinie wollen, die Aufmerksamkeit hält und Überzeugungskraft aufbaut, dann ist die Vorgehensweise nach dem IKEA-Modell optimal. → Im Blogbeitrag „Wie kontern Sie unfaire Angriffe?“ erhalten Sie detailliertere Informationen.
T.O.M. – Themen, Optionen, Maßnahmen –
Bei der strukturierten Vorbereitung komplexer Verhandlungen kann das T.O.M.-Modell helfen, alle relevanten Themenblöcke klar zu erfassen, pro Thema verschiedene Lösungsoptionen zu entwickeln und anschließend konkrete Maßnahmen für Umsetzung oder Nachverfolgung festzulegen.
WAC – „Walk Away Condition“ –
Der Punkt, an dem Sie eine Verhandlung besser abbrechen als fortsetzen, weil die Bedingungen Ihre Mindestanforderungen unterschreiten, ist die „Walk Away Condition“. Sie definiert die klare Untergrenze Ihrer Verhandlungsposition, etwa bei Preis, Qualität, Lieferzeit oder Risiko. Wenn Sie Ihre WAC kennen, verhandeln Sie souveräner, denn Sie wissen, wann „Nein“ die strategisch richtige Entscheidung ist.
ZANBA – Ziel, Argument, Nutzen, Beweis, Aufforderung –
Wenn Sie für Ihre Verhandlung eine strukturierte Argumentationskette aufbauen wollen, können Sie auch nach der ZANBA-Methode vorgehen, die fokussiert auf die Struktur ideal ist, um Ihre Verhandlungspartner:innen zu überzeugen.
Fortsetzung folgt …
Wir öffnen unser KI-Labor für Sie!
Neben unserer OnlineWerkstatt, in der wir Online-Kurse zu verschiedenen Themen rund um souveräne Verhandlungsführung anbieten, haben wir seit einiger Zeit einen weiteren virtuellen Trainingsraum mit Inhalten und Tools rund um Künstliche Intelligenz, den wir bisher nur in unseren Trainings nutzen: Das KI-Labor.
Ab sofort ist dieser Raum auch für Sie geöffnet.
Wir geben Ihnen dort Hinweise zum Prompting für die Unterhaltungen mit Chatbots, zeigen Ihnen in unserer Playlist bei YouTube, wie Avatare im Video die Inhalte der VerhandlungsWerkstatt® auch in englischer Sprache erläutern, und geben Ihnen Zugriff auf unsere ersten eigens entwickelten GPTs, Generative Pretrained Transformer, die von uns speziell auf unsere Verhandlungstrainings abgestimmt, ergänzt und spezialisiert wurden.
… und wir werden dort das Angebot an KI-Trainingsmöglichkeiten erweitern. Wenn Sie unsere Laborentwicklungen zur Künstlichen Intelligenz rund um Verhandlungen immer direkt testen wollen, schreiben Sie uns bitte eine kurze E-Mail oder sprechen Sie uns an.
Beachten Sie bitte, dass Sie für den Zugriff auf unsere spezialisierten GPTs einen eigenen ChatGPT-Account benötigen.
Frage aus dem Training | 5
In unseren Verhandlungstrainings werden oft wiederkehrende Fragen gestellt, die wir sammeln, hier im Blog aufgreifen und sie für alle beantworten.
Frage 5:
„Wann muss ich eine Verhandlung abbrechen?“
Unsere Antwort:
In folgenden Situationen kann der Abbruch einer Verhandlung die beste Option sein, auch wenn es drastisch klingt, und zwar …
… wenn die Mindestziele nicht erreichbar sind. Jede Verhandlung braucht eine klare Untergrenze, also die Überlegung, ab welchem Punkt ein Abschluss für mich keinen Sinn mehr macht. Sobald klar wird, dass die Verhandlungspartner:innen nicht bereit ist, auch nur in die Nähe dieser Grenze zu kommen, ist ein Abbruch die richtige Konsequenz.
… wenn Vertrauen verloren geht. Verhandlungen basieren auf einer gewissen Verlässlichkeit. Wenn die Gegenseite Zusagen zurücknimmt, Informationen bewusst zurückhält oder sie manipuliert, ist das ein starkes Signal, dass ein langfristiger, stabiler Deal kaum möglich sein wird und deshalb der Abbruch erfolgen sollte.
… wenn Machtspiele ein erträgliches Maß übersteigen. Druck, Drohungen oder erpresserisches Verhalten sind nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich für eine tragfähige Geschäftsbeziehung. In solchen Fällen schützt ein Abbruch die eigene Position und verhindert langfristige Abhängigkeiten.
… wenn Alternativen besser sind. Manchmal verändert sich der Markt oder es gibt andere Lieferanten, Kunden, die ein attraktiveres Angebot machen. Wenn die BATNA (Best Alternative To a Negotiated Agreement) klar besser ist als das, was gerade auf dem Tisch liegt, sollten Sie die aktuelle Verhandlung beenden.
… wenn die Kosten die Nutzen übersteigen. Eine Verhandlung kann auch durch übermäßigen Zeit- oder Ressourcenaufwand unattraktiv werden. Wenn der Prozess unverhältnismäßig aufwendig ist und keine Aussicht auf einen lohnenden Abschluss besteht, ist ein Abbruch effizienter.
Ein Abbruch ist übrigens kein Scheitern! Er zeigt, dass Sie Ihre Grenzen kennen, Optionen bewerten und Verantwortung für Ihre Ressourcen übernehmen. Häufig öffnet ein Abbruch die Tür für neue, bessere Verhandlungen, entweder mit denselben Verhandlungspartner:innen zu einem späteren Zeitpunkt oder mit ganz neuen.
Sie wollen mehr über Verhandlungsstrategien erfahren? Im Online-Kurs → „Verhandlungen professionell planen: Strategie & Taktik“ erfahren Sie mehr über Ziele, Strategie und Taktik, den Kernelementen eines Drehbuchs für die Verhandlung, und Sie lernen, ein gutes Drehbuch für Ihre Verhandlung zu schreiben. Oder Sie bestellen sich die neue Ausgabe „Professionelles Verhandeln für Einkauf und Verkauf. Die EVEREST-Methode®““ von Jörg Pfützenreuter und Thomas Veitengruber, direkt beim → Narr Francke Attempto Verlag oder bei Ihrer bevorzugten Buchhandlung.
ZDF, KVP … und EVEREST (1)
Verständlich oder Buzzword-Bingo?
Abkürzungen sind im Verhandlungskontext allgegenwärtig. Ihren Ursprung haben sie in unterschiedlichen Bereichen, etwa im Qualitätsmanagement oder direkt im Verhandlungsumfeld. Einerseits sparen sie Zeit, sie schaffen gemeinsame Referenzpunkte und sie helfen, komplexe Sachverhalte schnell auf den Punkt zu bringen. Andererseits bergen sie Risiken wie Missverständnisse und Intransparenz, wenn nicht alle dasselbe darunter verstehen. Schauen wir uns mal einige typische Kürzel an, um intern im Team und extern am Verhandlungstisch Klarheit und Verständlichkeit zu fördern.
BATNA – Best Alternative to a Negotiated Agreement –
Wenn Sie in einer Verhandlung nicht im ersten Schritt zu einer Einigung gelangen können, klappt es vielleicht mit der besten Alternative, die Sie für diesen Fall, vorbereitet als Plan B, in petto haben.
KVP – Kontinuierlicher Verbesserungsprozess –
Verhandlungen mit dem Ziel, sowohl die Abläufe und die Zusammenarbeit als auch Ergebnisse Schritt für Schritt systematisch besser zu machen, sind auf längere Zeiträume ausgerichtet und verfolgen viele kleine Optimierungen und keine großen Sprünge.
EVEREST – Einstieg, Verhandlungsziele, Evaluation, Rhetorik, Emotion, Strategie, Taktik –
Mit der EVEREST-Methode® zur professionellen Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung jeder denkbaren Verhandlung können Sie souverän auch die letzte Facette einer Verhandlung erkennen, um sie in Ihrem Sinne steuern zu können. → Zur Vorbereitung, zum Nachlesen und für Ihren Verhandlungsalltag erhalten Sie die EVEREST-Methode® auch als Buch.
SMART – Spezifisch, Messbar, Abgestimmt, Relevant, Terminiert –
Wenn ein Verhandlungsziel alle fünf genannten Kriterien dieser smarten Formel erfüllt, ist es ein gutes Ziel.
ZDF – Zahlen, Daten, Fakten –
Als Grundlage für Entscheidungen dienen oft präzise, exakte und neutrale Informationen. Fragen Sie nach Zahlen, Daten und Fakten, wenn der Weg zu einer Einigung in der Verhandlung für Sie nicht eindeutig ist.
Fortsetzung folgt …
Schnell auf den Punkt kommen!
Wirkungsvoll in 5 Sätzen!
In Verhandlungen bleibt oft wenig Zeit für ausführliche Erklärungen. Es überzeugt, wer schnell auf den Punkt kommt. Die 5-Satz-Technik ist ein rhetorisches Werkzeug, mit dem Sie in rund 30–40 Sekunden strukturiert, glaubwürdig und wirkungsvoll kommunizieren.

Satz 1: Der situative Einstieg, um Nähe zu schaffen oder einen Impuls zu setzen, ist kein beliebiger „Satz davor“, sondern ein bewusster Gesprächseinstieg, entweder agierend („Darf ich dazu kurz eine Einschätzung aus unserer Sicht geben?“) oder abwartend („Wie wir eben gehört haben, ist das Projekt in Verzug geraten …“).

Satz 2: Mit dem ersten Argument beginnt die eigentliche Überzeugung. Es sollte immer den Nutzen für Ihr Gegenüber adressieren. Dazu können Sie die Denkweise des Gegenübers einnehmen („Was springt für mich dabei heraus?“) oder greifbare Formulierungen nutzen („Für Sie bedeutet das …“). Der Nutzen kann ökonomisch, zeitlich, qualitativ oder emotional sein. Wichtig ist, dass er konkret ist.

Satz 3: Jetzt untermauern Sie Ihre These. Entweder mit Ihrer Verhandlungsposition („Ein Kunde aus dem Sondermaschinenbau hat mit diesem Ansatz seine Lieferzeiten um 15 % reduziert.“) oder mit Beispielen, mit Geschichten oder mit Zahlen, Daten, Fakten oder mit Autoritäten, Zitaten, Referenzen.

Satz 4: Hier können Sie entweder die Wirkung des ersten Arguments noch einmal stärken oder neue Aspekte aufzeigen („Zusätzlich sparen Sie sich dadurch interne Abstimmungen mit der QS.“) Idealerweise bauen Sie Spannung auf. Dieses Argument sollte am stärksten wirken.

Satz 5: Sie schließen im finalen Endsatz mit einer klaren Botschaft oder einer konkreten Handlungsaufforderung. Dazu können Sie den Einstieg wieder aufgreifen oder ein kleines Fazit ziehen („Deshalb empfehle ich, dass wir das neue Modell ab Juli einführen.“).
Tipp
Bereiten Sie sich vor. Formulieren Sie mehrere typische Aussagen für Ihre Rolle als Zwecksätze (s. Satz 5), erstellen Sie eine Liste mit konkreten Vorteilen für die verschiedenen Zielgruppen (Kunden, Kolleginnen, Chef:in) als Mehrwert-Argumente (s. Satz 2) und überlegen Sie sich kurze, echte Storys oder prägnante Daten, die Ihnen helfen, spontan souverän zu sein (s. Satz 3).

Frage aus dem Training | 4
Beim diesjährigen Teamtreffen der VerhandlungsWerkstatt-Trainer und -Trainerinnen starteten wir mit der Sammlung von Fragen, die Teilnehmer:innen in den Verhandlungstrainings oft stellen. Hier im Blog werden wir uns immer mal wieder einer Frage annehmen und sie für alle beantworten.
Frage 4:
„Was kann ich tun, wenn ich in einer Verhandlung merke, dass gelogen wird?“
Unsere Antwort:
Zunächst einmal gibt es typische Anzeichen, auf die Sie achten können, verbal wie nonverbal, die Lügen in Verhandlungen entlarven. Dabei reicht eine einzelne Beobachtung nie aus, erst Muster machen verdächtig.
Bemerken Sie Verhaltensänderungen?
Menschen haben einen gewissen Verhaltensstil und wenn der sich plötzlich verändert, kann das ein Warnsignal sein. Achten Sie auf Nervosität (z. B. vermehrtes Blinzeln, Stimmschwankungen, schnelleres Sprechen), auf übertriebene Gelassenheit (z. B. zu kontrollierte Mimik, sehr langsames Sprechen) und auf abweichende Körpersprache im Vergleich zum bisherigen Gesprächsverlauf.
Was fällt Ihnen in Sprache und Inhalt auf?
Vage Aussagen wie „so in etwa“, „soweit ich weiß“ oder „ich glaube“, zu viel Erklärung, ausweichende Antworten und Widersprüche sind typische sprachliche Indizien für Lügen.
Wie sind die Reaktionen auf gezielte Rückfragen? Lügner:innen tun sich schwer mit Details oder mit Konsistenz bei wiederholtem Nachfragen. Bitten Sie um konkrete Beispiele oder Daten.
Wenn Sie jetzt einen Lügenverdacht haben, bringt es in der Regel nichts, Ihr Gegenüber direkt zu konfrontieren. Das vergiftet die Beziehung und führt zu Abwehr oder Eskalation. Vielleicht irren Sie sich ja auch? Nutzen Sie stattdessen Ihre Beobachtung als Risikohinweis und passen Sie Ihre Verhandlungsstrategie entsprechend an.
Bewerten Sie zunächst das Risiko, indem Sie sich folgende Fragen stellen:
- Was steht auf dem Spiel, wenn die Aussage falsch ist? Geht es „nur“ um einen Liefertermin – oder um rechtliche, finanzielle oder versorgungskritische Konsequenzen?
- Wie wahrscheinlich ist es, dass die Aussage nicht stimmt? Haben sie Widersprüche, unklare Antworten, schwache Belege bemerkt?
- Wie kritisch ist der Punkt für meine Entscheidung? Ist er die Grundlage für einen Abschluss, eine Zahlung, einen Vertragsentwurf?
Je höher das Risiko, desto stärker sollten Sie gegensteuern. Reagieren Sie taktisch klug, souverän, ohne Eskalation.
- Bauen Sie beispielsweise zusätzliche Sicherheiten ein, etwa „Ich gehe gerne mit, wenn wir das in der Auftragsbestätigung konkret verankern.“
- Fordern Sie Dokumentationen ein: „Schicken Sie mir das gerade bitte noch einmal schriftlich mit Datum.“
- Vertagen Sie das Thema: „Das Thema lassen wir offen, bis wir klare Infos haben. Ich würde gern XY klären.“
So stellen Sie sicher, dass Ihr Risiko abgefedert wird, ohne den Vorwurf auszusprechen.
Sie wollen mehr über das Lesen von Menschen in Verhandlungen erfahren? In unserem Teil 2 → „Psychologie in Verhandlungen“ übertragen wir neueste Erkenntnisse aus Psychologie und Neurowissenschaften auf Verhandlungssituationen.
Business trifft Badeurlaub
Wie Reisen interkulturelle Kompetenz stärkt
Sommer bringt nicht nur Sonne, Meer und Erholung – sondern auch Begegnungen mit Menschen aus aller Welt. Sei es im Hotel in Spanien, beim Marktbesuch in Marokko, am Strand in Belgien oder am Flughafen in Singapur: Wer in der Ferienzeit unterwegs ist, taucht unweigerlich in andere Kulturen ein. Dabei entstehen ganz nebenbei kleine „Verhandlungssituationen“ – beim Souvenirhandel, bei Tischreservierungen oder beim Mietwagen-Upgrade. Was das mit professionellen Verhandlungen im internationalen Geschäft zu tun hat? Eine ganze Menge.
Zwischen den Zeilen lesen: Kultur prägt Kommunikation
In vielen Kulturen spielt die indirekte Kommunikation eine große Rolle. Während wir im deutschsprachigen Raum gerne auf den Punkt kommen, ist es in anderen Ländern üblich, Kritik höflich zu verpacken oder gar nicht direkt auszusprechen. Ein freundliches Lächeln bedeutet nicht automatisch Zustimmung – es kann genauso gut ein höfliches Nein sein.
Wer diese Nuancen im Urlaub erlebt, z. B. beim Feilschen auf der Strandpromenade oder im Gespräch mit dem Hotelpersonal, bekommt ein Gespür für kulturell geprägte Kommunikationsstile – ein wertvolles Training für internationale Geschäftstermine.
Verhandlungstempo: Nicht jeder tickt gleich
In Südeuropa oder Teilen Asiens ist es durchaus üblich, dass Entscheidungen Zeit brauchen. Spontane Forderungen oder straffe Zeitpläne stoßen dort oft auf Widerstand oder Unverständnis. Geduld, Beziehungsaufbau und Vertrauen sind hier die Basis, bevor über konkrete Zahlen gesprochen wird.
Wer also im Sommerurlaub erlebt hat, dass das Abendessen später beginnt als geplant, aber dafür umso herzlicher verläuft, kann diese Gelassenheit in Verhandlungssituationen mit südeuropäischen Geschäftspartner:innen mitnehmen.
Status, Hierarchie und Verhandlungsmacht
In manchen Ländern ist es entscheidend, wer etwas sagt – nicht nur was gesagt wird. Wer dort verhandelt, sollte Hierarchien respektieren, Rangordnungen erkennen und die Entscheidungsträger:innen direkt ansprechen. Der Versuch, eine Einigung „von unten nach oben“ zu treiben, kann leicht als unhöflich oder ineffektiv empfunden werden.
Ein praktischer Hinweis: Wer im Urlaub erlebt hat, dass z. B. nur die Hotelmanagerin wirklich Entscheidungen treffen kann, hat einen ersten Einblick in diese Denkweise gewonnen.
Fehlerkultur: Wie mit Missverständnissen umgehen?
Sprachbarrieren und kulturelle Missverständnisse gehören zum Reisen dazu – und sie passieren auch im internationalen Business. Wichtig ist: souverän bleiben, freundlich nachfragen, nicht interpretieren, sondern klären. Genau das schult der Umgang mit fremden Kulturen im Urlaub – oft ganz unbewusst.
Ein Beispiel: Wenn die bestellte vegetarische Mahlzeit doch mit Fisch serviert wird, hilft es wenig, sich aufzuregen. Besser: freundlich nachfragen, ruhig erklären und gemeinsam eine Lösung suchen. Genau dieses Verhalten zahlt sich auch in geschäftlichen Verhandlungen aus.
Fazit: Sommerzeit ist Lernzeit
Internationale Verhandlungen profitieren stark vom kulturellen Feingefühl. Wer in den Sommerferien mit offenen Augen reist, sammelt nicht nur schöne Erinnerungen – sondern auch wertvolle Soft Skills für den Job. Beobachten Sie, wie Menschen verhandeln, zuhören, ablehnen oder zustimmen – das ist echtes Training im Feld. Wer andere Kulturen versteht, verhandelt nicht nur erfolgreicher, sondern auch respektvoller. Und das ist überall ein Gewinn.
Sie wollen sich für Ihr Business intensiver auf Verhandlungen mit anderen Kulturen vorbereiten? Dann ist das → (Online-)Training „Interkulturelle Verhandlungen“ etwas für Sie.
Platzhirsch-Alarm am Verhandlungstisch
Sie kennen sie: die Verhandlungspartner:innen, die den Raum betreten und sofort das Kommando übernehmen. Sie unterbrechen, verteilen Aufgaben und reagieren ungehalten auf Einwände. Doch keine Sorge – mit diesen Tipps behalten Sie die Kontrolle:
- Bleiben Sie cool: Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Ein souveränes Auftreten wirkt Wunder.
- Kontern Sie mit Fakten: Bringen Sie sachliche Argumente ins Spiel. Das lenkt die Aufmerksamkeit auf den Inhalt statt auf das dominante Verhalten.
- Setzen Sie Humor ein: Ein gezielter humorvoller Kommentar kann die Spannung lösen und das Gespräch auflockern.
- Etablieren Sie Regeln: Schlagen Sie Gesprächsregeln vor, wie z. B. Redezeiten, um allen Beteiligten Raum zu geben.
- Reflektieren Sie nach dem Gespräch: Analysieren Sie das Verhalten Ihres Gegenübers und überlegen Sie, wie Sie in Zukunft noch besser reagieren können.
Mit diesen Strategien lassen Sie sich nicht die Butter vom Brot nehmen und führen Verhandlungen auf Augenhöhe – auch mit selbsternannten Alphatieren.
Diese Strategien reichen Ihnen noch nicht? Sie wollen intensiv trainieren, wie Sie und Ihr Team beim Verhandeln mit komplizierten Charakteren unter schwierigsten Bedingungen reagieren können? Wie wäre es mit einem
Frage aus dem Training | 3
Beim diesjährigen Teamtreffen der VerhandlungsWerkstatt-Trainer und -Trainerinnen starteten wir mit der Sammlung von Fragen, die Teilnehmer:innen in den Verhandlungstrainings oft stellen. Hier im Blog werden wir uns immer mal wieder einer Frage annehmen und sie für alle beantworten.
Frage 3:
„Kann ich mich auf Antworten von generierenden KI-Modellen verlassen?“
Unsere Antwort:
Eine Antwort auf diese Frage beginnt mit einem klaren „Es kommt darauf an“. Denn die Zuverlässigkeit von KI-Systemen – insbesondere generativen Modellen wie ChatGPT – hängt stark vom Anwendungskontext, vom Thema und von der Art der gestellten Frage ab.
Generative KI kann beeindruckend gute Ergebnisse liefern: Sie analysiert riesige Mengen an Daten, erkennt Muster und liefert Antworten, die oft gut strukturiert, plausibel und verständlich sind. In vielen Fällen sind diese Antworten auch korrekt – etwa wenn es um gängige Fakten, typische Verhandlungstaktiken oder etablierte Methoden geht. Auch im Training oder zur Vorbereitung auf Verhandlungen bietet sie nützliche Impulse, Checklisten oder Strukturvorschläge. Für all das ist sie ein hervorragendes Werkzeug.
Aber: KI ist kein Orakel. Ihre Antworten basieren auf Wahrscheinlichkeiten, nicht auf Verstehen im menschlichen Sinne. Sie kann nicht zwischen „wahr“ und „falsch“ unterscheiden, sondern nur zwischen „wahrscheinlich passend“ oder nicht. In komplexen oder sensiblen Kontexten – etwa rechtlichen Fragen, strategischen Entscheidungen oder ethischen Bewertungen – sollten Sie deshalb nie allein auf KI setzen.
Ein praktisches Beispiel aus der Verhandlung: Wenn ein generatives System einen Vorschlag macht, wie Sie mit einem schwierigen Verhandlungspartner umgehen könnten, kann dieser Vorschlag ein guter Impuls sein – aber er ersetzt nicht die eigene Erfahrung oder das Wissen um die spezifische Situation. Wer dann blind dem KI-Vorschlag folgt, ohne seine Anwendbarkeit kritisch zu prüfen, riskiert Fehltritte.
Fazit: Generative KI ist ein wertvoller Sparringspartner – besonders für Struktur, Inspiration und erste Analysen. Aber sie ersetzt weder Fachwissen noch kritisches Denken. Wer ihre Stärken kennt und sie klug einsetzt, wird profitieren. Wer sich blind auf sie verlässt, handelt fahrlässig. Wie bei jeder guten Verhandlung: Die Vorbereitung entscheidet – und dazu gehört eben auch, die Quelle der eigenen Informationen zu kennen und zu reflektieren.
Sie wollen mehr über KI und Verhandlungen erfahren? Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir bieten verschiedene Formate – online und in Präsenz – zu → „ChatGPT in Verhandlungen“ und → „Künstliche Intelligenz trifft Verhandlungen“.








